Namibia Windhoek Central State Hospital, 13.5.-26.05.2009

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Namibiaeinsätze sind für die Interplast-Teams dank der Kooperation mit dem dortigen Gesundheitsministerium fast schon Routine. Die in Ausbildung befindliche Chirurgin Dr. Elisabeth Xoagus ist nun im dritten Jahr dabei und eine grosse Hilfe. Wenn es so weiter geht wird sie in 1 bis 2 Jahren die Basiseingriffe selbständig durchführen können, sodaß dies einen Neubeginn der Eingenständigkeit dieses Faches bedeutet.

Einsatzbericht Windhoek/Namibia 13.05.-27.05,09

Dr. Schwarz               Plast. Chirurg
Dr. Berenskoetter      Kinderchirurg
Dr. Bierawski             Anaesthesistin
Dr. Buchmann           Anaesthesist
Ch. Engstfeld             OP-Schwester

Ein anderer Einsatz, ein anderer Einsatzbericht.

Schon die Last der ganzen Vororganisation war durch die Vorarbeit Matthias Gensiors und Verträge zwischen dem Ministry of Health and Social Service mit Interplast weitgehend abgenommen. Das heisst aber nicht, dass alles klappen würde, die bisherige Chefaerztin, Dr. Shimii wurde unerwartet gekündigt, die gesamte Vorarbeit lief ins Leere, ihre Nachfolgerin, eine zierliche, immer verschmitzt lächelnde Nachfolgerin, Dr. Shalongo war von unseren fortgeschrittenen Planungen überrascht, bereitete aber dennoch ein intensives Screening vor. Allerdings mussten wir uns sowohl um die Flüge als auch Unterkunft kümmern. In Windhoek angekommen, saßen wir im Zoll fest, die Abholung auch nach Stunden nicht zu sehen. Ein höherer Offizier des Zoll winkte uns dann freundlich nach Lesen der Korrespondenz mit dem Ministerium durch und ein Telefonat brachte dann die ausgesprochen freundliche , zugewandte Ahholmanschaft zu Tage.

Im Central State Hospital war nach einer kurzen Begrüssungsrunde mit Offiziellen das Screening gut vorbereitet, am ersten Tag sahen wir 70 Patienten, am zweiten knapp 40.

Das Spektrum bestand zu 80% aus riesigen, körperlich behindernden Makromastien. Wir planten täglich zwei ein und ließen damit Platz für Gaumenspalten und die Interplast-üblichen Verbrennungskontrakturen.

Die Ausstattung des ehemals nur Weißen vorbehaltenen Central State ist ausgesprochen gut, Durchleuchtung von Siemens, Elektrokauter von Erbe, Narkosegerät von GE. Unsere eh schon spärlich mitgebrachten Instrumente wurden nur für die Gaumen und eine BlepharoptoseOP gebraucht. Die Reduktionsmammoplastiken waren alle weit über 1000gr, vielfach über 3000gr Resektionsgewicht pro Seite und waren danach immer noch von stattlicher Größe. Trotz Jugulummamillenabständen über 50cm bewährte sich der craniale Mamillenstiel, es kam zu keiner einzigen Mamillenheilungsstörung.

Ein Noma-Kind aus Angola wurde uns vorgestellt, was einen Latissimus vor 4 Jahren erhielt und eine Grössenzunahme im Kieferwinkel zeigte, das CT erbrachte aber kein morphologisches Korrelat für ein Rezidiv. Auf der Frühgeborenen Station lag ein Kind mit gespaltener Zunge und vom Gaumendach herabragender zystischen Masse, das verwackelte Nativ-Röntgen legte eine TessierSpalte Typ2 mit Enzephalozele nahe. Das angeforderte CT (NMR steht in Namibia nur in einem PrivatKH zur Verfügung) konnte nicht im Rahmen des Aufenthaltes fertiggestellt werden. Über eine nasale Magensonde schien es dem Kind klinisch aber sehr gut zu gehen, auch die Schluckreflexe waren intakt. Der Kontakt zu Prof. Graewe in Kapstadt, einem ehemaligen Mitarbeiter von Mühlbauer wurde über Dr. Shalongo hergestellt. Da wir mit dem Nationalfeiertag am Montag, den 25.5. nicht gerechnet hatten sahen wir über das verlängerte Wochenende doch noch einiges vom Land, zumal Dr. Elisabeth Xoagus die Assistenzaerztin mit Plastisch Chirurgischen Ambitionen sich am Sonntag um die Patienten kümmerte.

Ungewöhnlich auch der Abschiedstag mit sehr offener und für beide Seiten konstruktiver Aussprache über den Einsatz. Es wurde sowohl eine umfangreichere Dokumentation unsererseits gewünscht, als auch die deutlichen Motivationsunterschiede zwischen sehr gutem OP-Personal und eher verschlafener Station akzeptiert und von der Pflegeleitung versprochen anzugehen.

Insgesamt ein sehr schöner, ruhiger und effektiver Einsatz.